Datum: 12.10.2020

Das Metallhandwerk hat die Sommermonate genutzt

Angesichts der bevorstehenden Wintermonate unter Corona-Bedingungen liegen sorgenvolle Gedanken nah. Doch die Konjunkturzahlen erlauben eine Interpretation, dass das Metallhandwerk nach dem Absturz im Frühjahr weniger geschwächt aus den Sommermonaten kommt als ursprünglich angenommen. Alle Zahlenwerte belegen aber auch, dass diese verhalten-positive Gesamtaussage hautsächlich auf dem Metallbauerhandwerk basiert und die Feinwerker weiterhin mit gleichbleibend negativen Werten umgehen müssen.

Die Kurzarbeit ist leicht zurückgegangen, allerdings immer noch auf sehr hohem Niveau. Knapp die Hälfte (47,4 %) der feinwerkmechanischen Betriebe sind in Kurzarbeit. Bei den Metallbauern sind es rund 15 %. Damit verfestigt sich die schlechte Stimmung bei den Feinwerkern weiter.

Die Geschäftslage der Feinwerker hat sich weiter verschlechtert. Fast 8 % vergeben sogar die Schulnote ungenügend. Bei den Metallbauern ergibt sich ein umgekehrtes Bild: Über 50 % beurteilen die Lage mit den Schulnoten sehr gut und gut. Im Vergleich zum letzten Quartal eine Verbesserung um rund 10 Prozentpunkte auf das Niveau von Herbst 2019.

Die Beurteilung des Auftragsbestandes muss vor dem Hintergrund der Kurzarbeit mit besonderer Sorgfalt beurteilt werden. Ein Auftragsvorlauf von einem Monat und weniger ist bei den Feinwerkern bei über 55 % der Betriebe zu finden. Das ist eine nochmalige Verschlechterung zum Vorquartal von 5 %. Die Metallbauer hingegen konnten diese Quote sogar um über 10 Prozentpunkte senken. Hier leben nur noch 22 % von der Hand in den Mund.

Die Zukunftsaussichten schätzen die meisten Betriebe als unverändert ein (Metallbau 66,7 %, Feinwerk 47,4 %). Bei denjenigen Betrieben, die Veränderungen erwarten, tendieren mehr Betriebe zur Verschlechterung; 23,7 % im Vergleich zu 13,9 %, die eine Verbesserung erwarten.

Die Investitionsbereitschaft zeigt im Vergleich zum Vorquartal leicht nach oben. Allerdings ist das Niveau weiterhin niedrig bei nur 37 % investitionswilligen Unternehmen. Wieder ist die Lage im Feinwerk negativer als im Metallbau. Dies spiegelt sich auch in der Einschätzung erzielbarerer Preise wider. Ziemlich genau zwei Drittel der Metallbauer beurteilen die Preisfindung mit Schulnoten oberhalb der Mitte. Leider sieht die Lage bei den Feinwerkern wieder spiegelsymmetrisch aus, beinahe jeder Vierte (23,7%) vergibt hier die Schulnoten mangelhaft und ungenügend.

Trotz Krise bilden rund 60 % der Betriebe aus. Besorgniserregend ist, dass bei den Metallbauern 53% der ausbildungswilligen Betriebe nicht alle Ausbildungsplätze besetzen konnte.

„Bislang sind wir vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Der Bereich Metallbau konnte die Erschütterungen ohne größere Beschädigung kompensieren. Ungleich schwieriger ist die Lage bei den Feinwerkern. Hier sollten die Pandemie-Pakete aus den Wirtschaftsministerien auch die längeren Wertschöpfungsketten in den Fokus nehmen. Wir brauchen Konjunkturpakete, die betriebliche Investitionen fördern: Unternehmen, die in ihren Maschinenpark investieren, sichern nicht nur den eigenen Markterfolg. Sie sichern auch Arbeitsplätze bei denjenigen Unternehmen, die diese Maschinen produzieren, installieren und warten. Damit werden Produktionsketten in Deutschland aufrechterhalten, die wir dringend brauchen“, leitet Stephan Lohmann, Geschäftsführer des Fachverbandes Metall NW als Forderung aus den Umfrageergebnissen ab.    

Der Fachverband Metall NW vertritt als Arbeitgeberverband in Nordrhein-Westfalen mehr als 3.000 mittelständische Unternehmen des Metallhandwerks. Mit rund 58.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 8,5 Mrd. €, erwirtschaften die Unternehmen für annähernd 150.000 Menschen in NRW den Lebensunterhalt.

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