Datum: 28.10.2022

Google Fonts – Nutzung und Abmahnung

Seit einiger Zeit treiben Abmahner wieder ihr Unwesen, wenn es darum geht, arglosen Webseitenbetreibern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch was sind Google-Fonts überhaupt und warum sollten auch Sie Ihre Webseite überprüfen?

Google Fonts – Nutzung und Abmahnung

„Google Fonts“ ist ein interaktives Verzeichnis von diversen Schriftarten, das seit 2010 von der Google LLC zur Verfügung gestellt wird. Es beinhaltet bereits über 1000 verschiedene Schriftarten, die von Webseitenbetreibern auf der eigenen Internetseite eingebunden werden können. Die notwendigen Lizenzen zur Nutzung sind kostenfrei. Wegen dieser Kostenfreiheit ist das Verzeichnis sehr beliebt. Es gibt dabei zwei verschiedene Verwendungsarten:

  • Unkritisch
    In der ersten Variante lädt der Webseitenbetreiber eine Schriftart herunter, um sie dann im eigenen Webspace wieder hochzuladen. Bei Aufruf der Webseite lädt die Schriftart dann vom eigenen Speicherplatz aus. Das ist die unkritische Variante.
  • Abmahnrisiko
    Alternativ kann eine dynamische Variante von „Google Fonts“ genutzt werden. Dabei wird die ausgesuchte Schriftart nicht lokal eingebunden. Stattdessen wird bei jedem Aufruf der Webseite eine Verbindung zu den Servern von Google aufgebaut, um dort die Schriftart dynamisch zu laden und auszuspielen. Bei dem Verbindungsaufbau zu den Google-Servern wird die IP-Adresse des Webseitenbesuchers an Google übertragen.

Und hier liegt das Problem.

Die IP-Adresse ist regelmäßig ein personenbezogenes Datum. Die Nutzung und insbesondere die Weiterleitung an Dritte (hier: Google LLC) ist nach der DSGVO grundsätzlich verboten, es sei denn, es liegt die Einwilligung des Verbrauchers vor.

In einem vor dem Landgericht München verhandelten Fall hatte der Nutzer die Webseite der Beklagten besucht und sich darüber geärgert, dass seine IP-Adresse als personenbezogenes Datum über die Einbindung von „Google-Fonts“ an Google weitergegeben worden war. Die Beklagte hatte die dynamische Variante der Einbettung von „Google-Fonts“ genutzt. Sie wurde (neben den Ansprüchen auf Unterlassung und Auskunft) zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 100 € verurteilt (LG München, 20.01.2022 – 3 O 17493/20).

Hieran knüpfen die Privatpersonen und Kanzleien an, die Schmerzengeldes verlangen.

Betriebe sollten dringend prüfen, ob sie die dynamische Variante von „Google Fonts“ nutzen.

So prüfen Sie, ob Ihre Webseite Google Fonts abruft

Mittlerweile gibt es zahlreiche Webseiten, die Tools zur Prüfung einer Webseite anbieten. In der linken Spalten finden Sie verschiedener Anbieter, die einen solchen Service bereitstellen.

Menschen, die sich mit den Entwicklertools gängiger Browser auskennen, können damit auch die Netzwerkaufrufe der eigenen Webseite überprüfen. Suchen Sie unter im Chrome unter „Netzwerk“ oder im Firefox unter „Netzwerkanalyse“ nach den Domains https://fonts.googleapis.com oder https://fonts.gstatic.com. Wenn Sie fündig werden, besteht für Ihre Webseite ein Abmahnrisiko.

Abmahnungen dieser Art laufen immer nach dem gleichen Schema ab.

Rechtsanwalt Kilian Lenard aus Berlin schreibt im Namen eines Herrn Ismail. Rechtsanwalt Kairis mahnt im Namen von Frau Wang.

Stets die gleichen Namen. Ob es tatsächlich eine Person gibt, die sich geschädigt fühlen kann, darf bezweifelt werden.
Außerdem springen auch Privatleute auf diesen Zug auf und verlangen Schmerzensgeld.

Aus unserer Sicht sind solche Abmahnungen rechtsmissbräuchlich. Die Empfänger dieser Schreiben sollten sich gegen die Abmahnungen wehren und sie nicht einfach ignorieren.

Reagieren Sie auf die Abmahnung

Zu rügen ist zunächst die ordnungsgemäße Bevollmächtigung. Dann ist zu rügen, dass der (angebliche) Mandant die Internetseiten nur mit dem Ziel aufgesucht hat, möglicherweise datenschutzrelevante Situationen zu begründen. Das ist rechtsmissbräuchlich und löst keinen Schmerzensgeldanspruch aus.

Schließlich gilt das Urteil des LG München gilt – wie die meisten Urteile von Zivilgerichten – nur inter partes. Rechtsfolgen für andere Fälle lassen sich hieraus nicht herleiten.

Insgesamt ist die Abmahnung rechtsmissbräuchlich.

Außerdem sollten die Betriebe darauf hinweisen, dass unberechtigte Abmahnungen Gegenansprüche auslösen können. Die Geltendmachung solcher Ansprüche sollten vorbehalten werden.

Für Einzelfragen wenden Sie sich gerne an Ihren Anwalt / Ihre Anwältin oder die Rechtsberater Ihrer Innungen und Kreishandwerkerschaften. Wir raten dazu, keine Zahlungen zu leisten.

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