Datum: 09.12.2021

Oberflächenvorbereitungsgrad P3 nach DIN EN ISO 8501-3

In Abhängigkeit der Korrosivitätskategorie und der Schutzdauer werden in den einschlägigen Normen Oberflächenvorbereitungsgrade spezifiziert. Ziel der Oberflächenvorbereitung ist die Reduzierung von scharfen Kanten, welche zusätzliche Spannungen bei der Filmbildung erzeugen und sich negativ auf die Schutzdauer auswirken können.

Oberflächenvorbereitungsgrad P3 nach DIN EN ISO 8501-3

In der DIN EN ISO 8501-3 Oberflächenvorbereitungsgrade werden für Schweißnähte, Kanten und anderen Flächen mit Oberflächenunregelmäßigkeiten beschrieben. Die hier genannten Oberflächenvorbereitungsgrade P1, P2 und P3 beschreiben Anforderungen, welche bei der Herstellung der Bauteile vom Stahlbauunternehmen vor der eigentlichen Oberflächenvorbereitung durchzuführen sind, damit das Beschichtungssystem fachgerecht appliziert werden kann. Konkret geht es um die Zeile 1.2 „Geriffelte/profilierte Schweißnaht“ der Tabelle 1 – Unregelmäßigkeiten und Vorbereitungsgrade in DIN EN ISO 8501-3. Für den Vorbereitungsgrad P3, die höchste Anforderung also, heißt es dort: „Die gesamte Oberfläche muss bearbeitet werden, d.h. glatt sein.“

Diese Übersetzung der englischen Sprachfassung führt zuweilen zu der Auffassung, dass Schweißnähte immer blecheben bearbeitet werden müssen. Das ist falsch.

Zur Begründung führt der zuständige deutsche Normenausschuss aus:

„Das für die DIN EN ISO 8501-3 zuständige deutsche Arbeitsgremium stellt in diesem Zusammenhang klar, dass mit „glatt“ nicht „eben“ (plane) zu verstehen ist. Das heißt, dass die Oberfläche der Schweißnaht vor dem Strahlen zwar glatt, aber nicht eben (siehe Bild D.6 c) in DIN EN ISO 12944-3) sein muss.“

Diese Sichtweise ist im Einklang mit den Anforderungen der DIN EN ISO 5817. Auch in der Bewertungsgruppe B sind bei Schweißnähten Nahtüberhöhungen zugelassen. Die Naht über den wirksamen Nahtquerschnitt hinaus darf daher erhalten bleiben. Die Schweißnaht muss eine Oberfläche haben, die einen gleichmäßigen Schichtaufbau gewährleistet. Ein weicher Übergang ist ebenso herzustellen. Somit ist die Anforderung an den Oberflächenvorbereitungsgrad P3 nach DIN EN ISO 8501-3 erfüllt, ohne dass die Schweißnaht blecheben bearbeitet werden muss.

"Vor dem Hintergrund, dass Schweißnähte in erster Linie der Statik eines Objektes dienen, sollten Metallhandwerker wissen, welche Anforderungen hier gelten," ergänzt der Berater des Fachverbands Metall NW, Markus Marré. "Insbesondere Architekten legen bei der Auslegung der Norm häufig einen falschen Schwerpunkt auf die ästhetische Anmutung einer Schweißverbindung."