News-Artikel Ausgabe

Azubi, wo bist du?

Warum die klassische Stellenanzeige nicht mehr ausreicht
Die Zahlen der Agentur für Arbeit sprechen eine deutliche Sprache: Zum 30.09.2019 kamen in NRW auf 28.219 unbesetzte Ausbildungsstellen rund 22.548 unversorgte Jugendliche. Selbst, wenn jeder Jugendliche vermittelt würde, blieben 5.671 offene Stellen. Der Kampf um die besten Azubis wird immer härter. Wo müssen Unternehmen präsent sein, um diese zu erreichen?

Das Wort „Fachkräftemangel“ war bereits 2015 das Unwort des Jahres – seitdem ist es wahrscheinlich häufiger denn je genutzt worden. Kamen früher auf eine ausgeschriebene Ausbildungsstelle fast von allein zahlreiche Bewerbungen, muss man heute froh sein, wenn überhaupt noch eine kommt. Bestenfalls erfüllen die Voraussetzungen des Bewerbers dann zumindest annähernd die Anforderungen der Stelle. Die guten Bewerber können mittlerweile wählen, wo sie anfangen möchten zu arbeiten.

 

Der Betrieb muss sich bewerben

Umso entscheidender ist es, dass sich Unternehmen bereits in der Ausschreibung der Ausbildungsstelle gut präsentieren. Das Verfahren hat sich gedreht: Nicht der Bewerber bewirbt sich im Betrieb, sondern der Betrieb beim Bewerber. Eine klassische Stellenanzeige in der örtlichen Tageszeitung reicht hier nicht mehr aus. In Zeiten der Informationsüberflutung ist es ebenso wichtig, dass die ausgeschriebene Stelle online gefunden wird. Und dies an so vielen Stellen wie möglich.

An erster Stelle steht hier natürlich die eigene Webseite. Jeder Betrieb sollte heute eine eigene Karriere-Rubrik auf der Webseite haben. Hier sollten nicht nur die ausgeschriebenen Stellen aufgeführt werden, sondern auch grundsätzliche Informationen zum Berufsbild und zum Arbeiten im Unternehmen geklärt werden. Sehr gut funktionieren kurze Videos, in denen Mitarbeiter etwas zu ihrem Berufsalltag erzählen – das muss nicht hochprofessionell sein. Ein kleiner 1,5-Minuten-Film, mit dem Smartphone aufgenommen, reicht meist aus. Der Fachverband Metall NW bietet auf seinem YouTube-Channel eine Reihe von Videos zu den verschiedenen Ausbildungsberufen an. Diese können Sie auf Ihrer eigenen Webseite einbetten. Surfen Sie doch mal vorbei.

Fast wichtiger als die Anforderungen an den Bewerber ist heute die Antwort auf die Frage: „Was bietet mir das Unternehmen“. Nennen Sie keine Allgemeinplätze, werden Sie konkret, z. B.:

  • Freitags immer um 13 Uhr Feierabend
  • Bezahlung über Tarif
  • Kostenfreies Jobticket


Neben der eigenen Webseite lohnt es sich, die Ausbildungsstelle auch in Stellenbörsen zu inserieren. Hier gibt es mittlerweile ein paar, die sich auf Azubis spezialisiert haben. Generell lohnt es sich, regional zu bleiben. Die großen Anbieter wie monster.de oder stepstone.de ziehen sich Anzeigen in der Regel automatisch von den kleineren Börsen. 

Beispiele für spezielle Azubi-Portale sind: ausbildung.de, azubiyo.de oder auch ausbildungsstellen.de. Auch ein Blick auf regionale Portale kann sich lohnen, wie: meinestadt.de oder städtische Jobbörsen. Nicht vergessen sollte man, die offenen Stellen bei der Agentur für Arbeit zu melden. Die Jobbörse ist kostenfrei und wird von vielen Portalen ebenfalls mit aufgeführt.  

Auch offline gibt es eine Reihe von Optionen zur klassischen Stellenanzeige. Neben der Teilnahme an Ausbildungsmessen und einer Kooperation mit örtlichen Schulen bieten sich auch kreative Möglichkeiten: Wie wäre es damit, die Brötchentüten beim Bäcker an der Schule zu bedrucken? Generell gilt, alles was auffällt, hilft bei der Azubi-Suche.