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Die neue DIN EN 1090-2 –

Erleichterungen für Schweißfachbetriebe

Im September 2018 ist die neue DIN EN 1090-2:2018-09 erschienen. Die Norm bietet dem Anwender eine Reihe von Erleichterungen im Vergleich zur DIN EN 1090-2 Ausgabe Oktober 2011. Im Folgenden sollen die entscheidenden Änderungen kurz dargelegt werden.

  • DIN EN 1090-2:2018-09, Tabelle 1 „Prüfbescheinigungen für metallische Erzeugnisse“:
     

Bei S235J2 reicht eine Prüfbescheinigung 2.2 (Werkszeugnis) anstatt der 3.1 (Abnahmeprüfzeugnis) jetzt aus.
Für nichtrostende Stähle mit einer 0,2%-Dehngrenze = 240 MPa (nicht kaltverfestigt) wird jetzt auch nur noch eine 2.2 Bescheinigung verlangt.

  • DIN EN 1090-2: 2018-09 Tabelle 12 „Methoden zur Qualifizierung der Schweißverfahren für die Prozesse 111, 114, 12, 13 und 14“:
     

Bei der Qualifizierung des Schweißprozesses nach DIN EN ISO 15610 durch den Einsatz von geprüften Schweißzusätzen ist die alte Fußnote b (Begrenzung der Streckgrenze auf 275 MPa) entfallen. D. h. jedoch nicht, dass jetzt alle höherfesten Stähle qualifiziert sind, weil die Begrenzung auf 275 MPa in der DIN EN ISO 15610 schon vorhanden ist.

Anders verhält es sich jedoch bei der Qualifizierung durch Standardschweißverfahren nach DIN EN ISO 15612 in der EXC2. Mit dieser Qualifizierung kann der Betrieb jetzt Stähle bis S460 verarbeiten. In der neuen Ausgabe der DIN EN ISO 15612:2018-10 wurde nämlich die Werkstoffgruppe 1.3 (Streckgrenze bis 460 MPa) mit aufgenommen. Noch besser wird es für Betriebe der Ausführungsklasse EXC3. Diese dürfen nach der neuen Norm auch in EXC3 Standardschweißanweisungen (SWPS) nutzen, wenn die Ausführungsunterlagen es zulassen. Teure Qualifizierungskosten für Stähle bis S460 durch Verfahrensprüfungen entfallen in Zukunft. Zugversuche an Doppel-T-Stößen nach DIN EN ISO 9018 (Kreuzzugproben) werden nach der neuen DIN EN 1090-2 auch nur für die Qualifizierung von Kehlnähten an Stählen = S460 benötigt.


Werden Verfahrensprüfungen nach DIN EN ISO 15614-1:2017-12 durchgeführt, muss die Stufe 2 nach den „europäischen“ Vorgaben eingehalten werden. Die einfachere „pazifische“ Stufe 1 (ASME Code) darf für DIN EN 1090-2 nicht gewählt werden. Dieses gilt im Übrigen auch für die Druckgeräterichtlinie, sowie für den Schienenfahrzeugbau nach DIN EN 15085.

 

  • DIN EN 1090-2:2018-09 Tabelle 24 „Umfang der routinemäßigen ergänzenden ZfP“:

 

Bei querverlaufenden Stumpfnähten und teilweise durchgeschweißten Nähten in Stumpfstößen ist die Unterscheidung nach der Auslastung der Schweißnähte weggefallen. D. h., auch Auslastungen unterhalb 50% müssen nach Tabelle 24 ergänzend zerstörungsfrei geprüft werden.

 

Die Ausführungsklasse EXC1 wurde neu in die Tabelle aufgenommen. Die aufgeführten Prozentsätze für die ZfP sind jedoch für Stähle bis S355 alle auf null gesetzt. Bei der Überprüfung der querverlaufenden Kehlnähte sind in der EXC2 die Prozentsätze gleich geblieben, jedoch die zu prüfenden Blechdicken von 20 mm auf 30 mm heraufgesetzt, so dass tatsächlich weniger geprüft werden muss.


Abgesehen von allen Prozentsätzen steht der wichtigste Satz oberhalb der Tabelle 24. Die Schweißaufsicht kann die Prozentsätze der Tabelle 24 auf bis zu 0% reduzieren, wenn für die Fertigung ein Programm für regelmäßige fertigungsbegleitende Probeschweißungen im Abstand von 3 Monaten eingeführt und dokumentiert wird. Der Bundesverband Metall wird sich dafür einsetzten, dass für die 3-monatigen Probeschweißungen eine Sichtprüfung DIN EN ISO 5817 mit der Bewertungsgruppe B ausreicht. Die Probeschweißungen sollten von wechselnden Schweißern durchgeführt werden.

  • Im Absatz 12.4.2.2 Musterprüfung ist der Punkt b) aus EN 1090-2:2009-11 „Der zu prüfende Prozentsatz muss das Doppelte der Werte aus Tabelle 24 betragen“ entfallen.

 

Ob hieraus nun ein Entfallen der ZfP für die ersten fünf Anschlüsse herzuleiten ist, muss noch diskutiert werden. Der BVM setzt sich auch hierbei für eine alleinige Sichtprüfung nach DIN EN ISO 5817 Bewertungsgruppe B ein. Ergänzende zerstörungsfreie Prüfungen sollten für die Überprüfung der ersten fünf Anschlüsse entfallen.

Quintessenz:

Neben den o. a. Erleichterungen können Betriebe viel Geld sparen, indem sie in Zukunft Standardschweißanweisungen der Stromquellenhersteller oder des BVM nutzen. Betriebe der Ausführungsklasse EXC2 und EXC3 können damit dann Stähle bis zu S460 ohne eigene Verfahrensprüfungen schweißen.

Nutzen Sie die kostenlose Beratung Ihres Bundesverbandes Metall.


Ihr Ansprechpartner beim Bundesverband Metall:

Frank Kania
Technischer Berater
frank.kania(at)metallhandwerk.de
www.metallhandwerk.de