News-Artikel Ausgabe

Für Ihre Interessen aktiv

Der Fachverband Metall NW vertritt als Arbeitgeberverband mehr als 3.000 mittelständische Unternehmen in Nordrhein-Westfalen. Die fachliche & politische Interessenvertretung für unsere Mitglieder steht dabei im Fokus. Doch was macht der Verband da eigentlich für Sie? Metall aktuell spricht darüber mit Stephan Lohmann, Geschäftsführer des Metallverband NW.

Metall aktuell: Herr Lohmann, fachliche & politische Interessenvertretung, was bedeutet das denn genau?

Lohmann: Nun zunächst einmal muss man festhalten, dass gebündelte Interessen einer großen Gruppe eher Gehör finden als Einzelinteressen. Deshalb stehen vor Ort in der Region die Innungen und Kreishandwerkerschaften als Interessenvertretungen zur Verfügung. Der Fachverband Metall NW übernimmt als starker Arbeitgeberverband die überregionale Interessenvertretung gegenüber der (Landes-)Politik; gegenüber Institutionen, wie Berufsgenossenschaften, Gewerkschaften und Lieferanten aber natürlich auch gegenüber der Öffentlichkeit.

Dank unseren Mitgliedern sind wir in der Lage als starke Stimme aufzutreten und Gehör zu finden.

Metall aktuell: Heute wird doch viel in Berlin und Brüssel entschieden. Wie sieht es da aus?

Lohmann: Auch dort sind unsere Mitglieder bestens vertreten. Auf Bundesebene arbeiten wir natürlich eng mit dem Bundesverband Metall (BVM) zusammen, aber auch mit dem Unternehmerverband Deutsches Handwerk (UDH) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).

Ähnlich sieht es auf europäischer Ebene in Brüssel aus: Hier haben wir den BVM, die Europäische Metallunion (EMU) und den ZDH mit seinem Büro in Brüssel als Sprachrohre. Insbesondere im europäischen Normenausschuss ist eine Vertretung durch Spezialisten zwingend erforderlich. Nur so lassen sich Normen für Handwerkbetriebe soweit wie möglich handhabbar halten.

Metall aktuell: Interessenvertretung ist ja nicht nur in der Politik, sondern auch in anderen Bereichen sinnvoll.

Lohmann: Auf jeden Fall, wichtig ist eine Interessenvertretung beispielsweise bei den Berufsgenossenschaften mit ihren Selbstverwaltungsgremien. Auch mit den Gewerkschaften stehen wir in regelmäßigem Austausch, um tragbare Tarifkompromisse auszuhandeln – das passiert übrigens gerade jetzt. Eine darstellbare Altersvorsorge, wie die Metallerrente, ist auch etwas, bei dem wir uns aktiv für unsere Mitglieder engagieren.

Metall aktuell: Gibt es aktuelle Beispiele, wo es ohne eine starke Vertretung eng für die Betriebe geworden wäre?

Lohmann: Ein immer noch aktuelles Beispiel ist die Soka Bau. 2017 ist es uns praktisch nur gemeinsam mit dem BVM und weiteren Zentralverbänden des Handwerks gelungen, metallhandwerkliche Betriebe vor dem Zugriff der Soka Bau zu bewahren. Ganz konkret haben wir 2018 durch die damalige Verbände-Vereinbarung, an der ich aktiv mitgearbeitet habe, mehr als 100 Innungsmitglieder des Metallhandwerks in NRW vor unbotmäßigen Zahlungen bewahrt.

Die Verbändevereinbarung als Grundlage und das Engagement der Essener Geschäftsstelle in jedem Einzelfall hat das erst möglich gemacht. Deshalb raten wir Unternehmen, sich direkt an uns zu wenden, wenn sich die Soka Bau bei ihnen meldet. Wir setzen uns für jeden Einzelfall ein.

Metall akutell: Wie sieht es mit der Vertretung in Normenausschüssen aus – hier ist ja auch viel in Bewegung?

Lohmann: Das stimmt. Der BVM vertritt uns in zahlreichen Normenausschüssen. Hier bringen sich auch unsere nordrhein-westfälischen Betriebsberater intensiv ein. Sie stellen sicher, dass die Situation in den Unternehmen zum BVM kommuniziert und so in den internationalen Beratungen mitberücksichtigt wird. Das können die Berater nur leisten, weil sie täglich bei unseren Mitgliedern vor Ort tätig sind und deshalb ein genaues Bild von der Arbeit haben.

Metall aktuell: Auch die Interessenvertretung in der Öffentlichkeit ist ja ein Thema?

Lohmann: Natürlich, es ist uns ein großes Anliegen, dass das Metallhandwerk positiv in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Neben der allgemeinen Pressearbeit legen wir gemeinsam mit den Innungen und Kreishandwerkerschaften vor Ort seit einiger Zeit einen speziellen Fokus auf das Thema Fachkräftemangel und Nachwuchs-Rekrutierung. So gut wie jedes metallhandwerkliche Unternehmen klagt über Fachkräftemangel und hat Schwierigkeiten, Azubis zu finden. Dabei ist das Metallhandwerk eine Branche mit hervorragenden Zukunftsaussichten. 

Um Unternehmen und potenzielle Azubis zusammenzubringen, gehen die Innungen und Kreishandwerkerschaften regelmäßig auf Ausbildungsmessen in ihrer Region. Der Fachverband Metall NW unterstützt vor Ort mit unserem virtuellen Schweißtrainer. So bekommen die Jugendlichen einen ganz praktischen Einblick in die Arbeit. Darüber hinaus haben wir eine neue Ausbildungsbroschüre entwickelt und Videos zur Ausbildung, die direkt vor Ort über das Smartphone mittels QR-Codes angesehen werden können. Das kommt bisher sehr gut an. Die Metall-Innung präsentiert vor Ort natürlich nicht nur den Beruf allgemein, sondern macht auch kostenfreie Werbung für die Ausbildungsbetriebe in der Region. Jeder Betrieb hat beispielsweise die Möglichkeit, seine Kontaktdaten und das Ausbildungsangebot kostenfrei in der entsprechenden Messe-Ausbildungsbroschüre zu präsentieren.

Metall aktuell: Ein Blick in die Zukunft: Was werden die Herausforderungen in 2019 und 2020 werden?

Lohmann: Hier sollten unterschiedliche Bereiche unterschieden werden. Im Herbst werden wir in Tarifverhandlungen mit der IG Metall eintreten. Angesichts der geschürten Erwartungen aus der Industrie und anderen Wirtschaftszweigen erwarten wir intensive Verhandlungen. Die sich abzeichnende Eintrübung der Konjunktur wird die Verhandlungen nicht erleichtern. Zumeist weniger konkret, jedoch nicht weniger einschneidend, sind die Veränderungen im betrieblichen Umfeld. Die sich eintrübende Konjunktur hatte ich bereits erwähnt. Gerade diese Übergangszeiträume sind für die Betroffenen besonders schwierig, da die Bereitschaft seitens der Stakeholder – seien es Mitarbeiter und deren Gewerkschaften oder auch die Banken als Hauptkapitalgeber im Metallhandwerk – sich mit dieser Situation zu beschäftigen, eher gering ist. Vom Verständnis ganz zu schweigen!

Als Verband wird es unsere Aufgabe sein, hier die Öffentlichkeit zu informieren und zumindest ein Vorverständnis zur entfalten. Darüber hinaus ist der Fachkräftemangel eine Daueraufgabe. Hier gilt es zu verdeutlichen, dass allein der Blick auf das Entgelt – so wie die Gewerkschaften gerne argumentieren – nicht zu einer Lösung des Problems führt. Die Möglichkeiten einer voranschreitenden Digitalisierung auch im Metallhandwerk zu nutzen, muss in unserem Interesse liegen. Wir arbeiten hier sowohl auf fachlicher Ebene zusammen mit dem Bundesverband Metall und den Schwesterverbänden aus Berlin / Brandenburg, Bayern und Thüringen an einer interaktiven Weiterbildungsplattform als auch auf regionaler Ebene mit den Handwerkskammern aus Bielefeld und Dortmund sowie dem nordrhein-westfälischen Tischlerverband an Lösungsansätzen. Völlig offen sind die Auswirkungen des Brexits und die Tendenzen zu zunehmendem Protektionismus im internationalen Handel.

Metall aktuell: Was ist das konkrete Angebot für Mitglieder? Was mache ich, wenn ich eine Herausforderung habe, mit der ich allein nicht klarkomme?

Lohmann: Unsere Angebote an die Mitglieder sind vielfältig. Sie reichen von unterschiedlichen Formaten in der Information und Weiterbildung bis hin zu individuellen und kollektiven Beratungsformen. Am einfachsten ist es für die organisierten Metaller sich auf  www.metallhandwerk-nrw.de zu informieren oder noch besser telefonisch (0201-897470) mit uns in Kontakt zu treten.  

Metall aktuell: Herr Lohmann, vielen Dank für das Gespräch!