News-Artikel Ausgabe

Tarifverhandlungen im schwierigen Umfeld

Bekanntlich hat die IG Metall die Entgelttarifverträge im Metallhandwerk (Lohntarifvertrag, Gehaltstarifvertrag und die Vereinbarung über Ausbildungsvergütungen) fristgerecht zum 30.09.2019 gekündigt. Sie fordert eine Anhebung der Löhne und Gehälter um 6 % sowie die Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 80 € in jedem Ausbildungsjahr für 12 Monate.

Diese Forderungen treffen das Metallhandwerk in einem schwierigen Umfeld. Die letzte Konjunkturumfrage zur Jahresmitte signalisiert eine Trendumkehr nach langer konjunktureller Hochphase.

Nicht einmal jedes zweite metallhandwerkliche Unternehmen bezeichnet seine aktuelle wirtschaftliche Situation als gut oder besser, jedes fünfte Unternehmen ist eher unzufrieden. Dabei besteht ein deutlicher Unterschied zwischen dem baunahen Metallbau und dem Bereich der zulieferorientierten Feinwerker, bei dem jedes dritte Unternehmen keine befriedigende Geschäftslage feststellt. Für das zweite Halbjahr 2019 rechnen knapp 58 % der Metaller mit einer weiterhin stabilen Entwicklung ihrer Unternehmen. Aber: Jeder vierte Metallbauer und über 30 % der feinwerkmechanischen Unternehmen sind von einer Verschlechterung der eigenen wirtschaftlichen Lage in diesem Jahr überzeugt. Bei der Frage nach den zentralen Herausforderungen der nächsten Monate ist das alles überragende Thema des Fachkräftemangels (71,43%) weiter von hoher Relevanz. Drei von vier Metallbauern und nur noch jeder zweite Maschinenbauer melden einen Fachkräftemangel. Trotzdem die Kreditvergabe nach wie vor keine Hürde darstellt – lediglich knapp 4 % sehen hier ein Problem – ist die Investitionsneigung der Unternehmen auf unter 50 % gesunken. Dazu passend: Fast jeder zweite feinwerkmechanische Betrieb und jeder siebte Metallbauer befürchten für das zweite Halbjahr 2019 einen zunehmenden Auftragsmangel mit sich weiter verschärfendem Preiswettbewerb.

Auch das allgemeine wirtschaftliche Umfeld lässt wenig Raum für überbordenden Optimismus: Der immer wahrscheinlicher werdende Brexit ohne Abkommen, die dramatischen Entwicklungen in der Automobilindustrie und nicht zuletzt die deutliche Eintrübung in der deutschen Schlüsselbranche Maschinenbau lassen die Zukunftsaussichten des Metallhandwerks eher trüb aussehen. Zu bedenken ist dabei auch, dass die Personalkostenanteile im Metallhandwerk deutlich höher als die in der Industrie liegen: Bei den baunahen Metallbauern sind Personalkostenanteile größer 30 % keine Seltenheit, sie steigern sich auf bis zu 50 % bei einzelnen Unternehmen der Feinwerkmechanik. Damit würden die Forderungen der Gewerkschaften zu einer Gesamtkostensteigerung von bis zu drei Prozent führen, die so die wirtschaftliche Lage der Betriebe existenziell bedrohen.

Aufgrund der schon jetzt – im Vergleich zu anderen Handwerken – hohen Ausbildungsvergütungen im Metallhandwerk, trägt eine Forderung von über 10 % gemessen auf das erste Ausbildungsjahr nicht zur Stärkung der Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen bei.

„Angesichts der bisherigen, vertrauensvollen Zusammenarbeit mit unserem Sozialpartner IG Metall haben wir die Verhandlungstermine für die diesjährigen Tarifverhandlungen bereits terminiert. Wir starten am 30. August mit der ersten Verhandlungsrunde. Als zweiter Termin wurde der 11. September und (hoffentlich) abschließend am 04. Oktober die dritte Verhandlungsrunde terminiert. Im Anschluss an jeden Verhandlungstermin veröffentlichen wir den Verhandlungsstand exklusiv für unsere Mitglieder unter tarif.metallhandwerk-nrw.de,“ äußert sich Stephan Lohmann, Geschäftsführer des Fachverbandes Metall NW zur anstehenden Tarifrunde.