Deutliche Entlastungen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung für das Metallhandwerk – Zukunfts-Kompass Handwerk: Early-Access-Phase des Online-Tools gestartet
Das Europäische Parlament hat am 16. Dezember 2025 die Trilog-Einigung zur umfassenden Vereinfachung der Nachhaltigkeitsberichterstattung im Rahmen der CSRD verabschiedet. Damit wurden zentrale Forderungen des Handwerks aufgegriffen, die zu einer spürbaren administrativen Entlastung der Betriebe im Metallhandwerk führen werden. Entscheidend ist die starke Einschränkung des Anwendungsbereichs: Künftig unterliegen nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 450 Millionen Euro der direkten Berichtspflicht (vorher: 250 Mitarbeiter, 250 Mio. € Umsatz). Damit ist das klassische Metallhandwerk vor Berichtsbegehren durch Großkunden und Banken (indirekte Berichtspflicht) besser geschützt.
Der sogenannte „Value-Chain-Cap“ stellt sicher, dass Großunternehmen und Banken von Zulieferern aus dem Handwerk lediglich Daten nach dem freiwilligen KMU-Standard “VSME“ erfragen dürfen. Weitergehende oder übermäßig aufwendige Informationsanfragen nach den Industriestandards ESRS oder GRI dürfen die Betriebe künftig zurückweisen. Darüber hinaus können sich KMU auf die Berichterstattung nach dem Basis-Modul des VSME-Standards beschränken, die Berichterstattung nach dem Zusatzmodul (Comprehensive-Modul) ist freigestellt.
Der Bundesverband Metall hat die Entwicklung des VSME-Standards zusammen mit weiteren Verbänden und den Handwerkskammern intensiv begleitet. Dabei konnten wesentliche Vereinfachungen für unsere Branche durchgesetzt werden. Beispielsweise wurde der Verzicht auf die Offenlegung der sog. Scope 3-Emissionen erreicht (indirekte Emissionen in der vor- und nachgelagerten Lieferkette). Dies verbessert die praktische Umsetzbarkeit des Standards im Betrieb erheblich.
Berichtstool Zukunftskompass Handwerk: Early-Access-Phase angelaufen
Um die Betriebe bei der Umsetzung zu unterstützen, entwickelt die Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk (ZWH) das digitale Berichtstool „Zukunftskompass Handwerk“. Der BVM hat hierbei zusammen mit dem Fachverband Metall NW maßgeblich mitgearbeitet. Seit dem 25. Februar 2026 steht für interessierte Betriebe eine Early-Access-Version des Online-Tools zur Verfügung:
https://zwh.de/zukunfts-kompass-handwerk-entdecken-sie-die-early-access-version-des-online-tools/.
Durch aktive Nutzung und Kommentierung soll das Berichtstool nun weiterentwickelt werden. Dabei sind die Betriebe gefragt. Wenn uns dies gemeinsam gelingt, erreichen wir eine erhebliche Erleichterung für alle handwerklichen Unternehmen, die durch Großkunden und Banken zukünftig zur Berichterstattung aufgefordert werden.
Der BVM wird dieses für die Branche strategisch wichtige Thema weiter begleiten. Im Rahmen der Bundesfachgruppentagung Metallbau und Stahlbau-Schweißen am 23./24. April 2026 werden der „Zukunftskompass Handwerk“ sowie die neuen Rahmenbedingungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung als Schwerpunkt behandelt. Ziel ist, die Landesverbände und Betriebe auf die praktische Umsetzung vorzubereiten und die Abstimmung mit der ZWH weiter zu verbessern.
Über den Autor
Reinhard Fandrich (Dr.-Ing.)
Technischer Berater in der Fachberatungs-
und Informationsstelle beim Bundesverband Metall, Essen
Kontakt: reinhard.fandrich@metallhandwerk.de




