Der Bundesverband Metall hat sich gemeinsam mit 13 weiteren Verbänden und Institutionen der Bau-, Fenster- und Fassadenwirtschaft an Bundesbauministerin Verena Hubertz gewandt. In einem gemeinsamen Schreiben fordern die Unterzeichner die Bundesregierung auf, dem derzeit vorgesehenen EU-Normungsauftrag für Fenster und Türen nicht zuzustimmen und sich auf europäischer Ebene für eine grundlegende, praxisgerechte Überarbeitung einzusetzen. Ziel ist eine grundlegende Überarbeitung, bevor daraus verbindliche Vorgaben für die europäischen Produktnormen entstehen.
Die Europäische Kommission will mit einem sogenannten Normungsauftrag festlegen, welche Angaben und Nachweise Hersteller künftig für Bauprodukte liefern müssen. Für Fenster und Türen würde der vorliegende Entwurf deutlich mehr technische Angaben, zusätzliche Prüfungen, umfangreiche Stoff- und Umweltdaten sowie neue digitale Unterlagen bedeuten. Aus Sicht des Verbändebündnisses steht dieser Aufwand in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen für Bauherren und Verbraucher.
Mehr Papier, aber kein besseres Fenster
Fenster und Türen werden überwiegend nach Maß gefertigt. Schon Änderungen bei Größe, Glas, Rahmen, Beschlag oder Ausstattung erzeugen neue Produktvarianten. Müssen für all diese Varianten umfangreiche Unterlagen erstellt werden, vervielfacht sich der Aufwand. Nach Einschätzung der Branche könnte sich die Dokumentation für die Fenster eines Einfamilienhauses von wenigen Seiten zu einem gut gefüllten Aktenordner auswachsen. Der Bauherr erhält mehr Papier – aber kein besseres oder sichereres Produkt.
Die Kosten landen bei Bauherren, Käufern und Mietern
Zusätzliches Verwaltungspersonal, externe Prüfungen, neue IT-Systeme und die laufende Pflege großer Datenmengen kosten Zeit und Geld. Nach einer brancheninternen Abschätzung könnten sich Produkte – abhängig von Komplexität, Variantenvielfalt und Betriebsstruktur – um bis zu 15 Prozent verteuern. Diese Mehrkosten würden letztlich Bauherren, Investoren, Käufer und Mieter treffen.
Ein solcher Kosten- und Bürokratieschub käme zur Unzeit: Deutschland benötigt mehr Wohnungsneubau, eine höhere Sanierungsquote und zusätzliche Investitionen in Energieeffizienz. Neue Unsicherheiten und vermeidbare Kosten verschlechtern jedoch die Wirtschaftlichkeit von Projekten und können Investitionen verzögern oder verhindern.
„Europäische Standards sind wichtig. Sie müssen aber so ausgestaltet sein, dass sie auch von mittelständischen Betrieben und dem Handwerk in der Praxis umgesetzt werden können. Neue Vorgaben dürfen nicht zu immer mehr Prüfungen, Dokumentationspflichten und Kosten führen, ohne dass dem ein entsprechender Mehrwert für Bauherren und Verbraucher gegenübersteht“, erklärt Diether Hils, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Metall.
Verbände fordern die Bauministerin zum Handeln auf
Das gemeinsame Schreiben fordert das Bundesbauministerium auf, sich für ein deutsches Nein bei der im September vorgesehenen Abstimmung einzusetzen. Die Verbände betonen: Es geht nicht darum, einheitliche europäische Regeln zu verhindern. Der Entwurf muss so überarbeitet werden, dass die Belastung für mittelständische Betriebe beherrschbar bleibt und das Bauen nicht unnötig verteuert wird.
- nur solche Produktangaben verlangen, die tatsächlich gebraucht werden,
- bewährte Berechnungen und softwaregestützte Verfahren statt wiederholter teurer externer Prüfungen nutzen,
- doppelte Stoff- und Emissionsangaben ohne zusätzlichen Nutzen vermeiden,
- passende Regeln für maßgefertigte Produkte sowie kleine und mittlere Unternehmen schaffen,
- digitale Produktpässe erst einführen, wenn Rechtsgrundlage und technische Infrastruktur funktionieren.
Die Verbände stehen weiterhin für konkrete Lösungen zur Verfügung und werden den europäischen Prozess sowie die anschließende Ausarbeitung der Produktnormen kritisch und konstruktiv begleiten. Das Ziel ist klar: hohe Produktqualität und europäische Vergleichbarkeit – ohne unnötige Bürokratie, vermeidbare Mehrkosten und keine Hindernisse für Wohnungsbau und Sanierung.
Breites Bündnis der Bau- und Fensterwirtschaft
Der gemeinsame Appell an die Bundesbauministerin wird von folgenden Verbänden und Institutionen getragen:
Quellen: PM Bundesverband Metall, Verband Fenster + Fassade




